Auf dem Weg zu einem starken International Office

Ein Interview mit Mubarak Bala und Rey Krentz

Vom Gefängnis in Nigeria an eine Berliner Hochschule: Der Menschenrechtsaktivist und Ingenieur Mubarak Bala bringt eine außer­ge­wöhn­li­che Lebensgeschichte und eine inter­na­tio­na­le Perspektive in das International Office ein. Im Interview spricht er über sei­nen Weg nach Deutschland, die Herausforderungen und Hintergründe der Sahelregion, sei­ne ers­ten Eindrücke von Berlin sowie sei­ne Vision für eine noch stär­ker inter­na­tio­nal ver­netz­te Hochschule.

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Welche Geschichte aus deinem Leben erzählst du neuen Kolleg:innen am liebsten?

Ich erzäh­le lie­ber von den his­to­ri­schen und gesell­schaft­li­chen Zusammenhängen, die mei­ne Arbeit geprägt haben, als von mei­nen per­sön­li­chen Schwierigkeiten. Meine Erfahrungen ermög­li­chen einen Blick aus der Perspektive eines Menschen, der selbst aus der Sahelregion stammt – einer Region, in der Kultur, Religion, Bildung und Modernisierung bis heu­te das Leben der Menschen bestim­men.

Ich spre­che häu­fig über die Entstehung von Boko Haram, die lang­fris­ti­gen Folgen der Berliner Kongo-Konferenz von 1884 sowie über die sozia­len und his­to­ri­schen Entwicklungen in der Sahelzone. Mir ist wich­tig zu ver­mit­teln, dass sich die heu­ti­gen Herausforderungen nur ver­ste­hen und lösen las­sen, wenn man ihre his­to­ri­schen und kul­tu­rel­len Hintergründe kennt.

Kannst du uns etwas über deinen Weg erzählen, der dich schließlich nach Deutschland geführt hat?

Nachdem ich vier­ein­halb Jahre im Gefängnis ver­bracht hat­te und mein Urteil noch im Berufungsverfahren über­prüft wur­de, erhielt ich im Rahmen der Elisabeth-Selbert-Initiative die Möglichkeit, nach Deutschland zu kom­men. Das von ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) koor­di­nier­te Programm unter­stützt Menschenrechtsverteidiger:innen sowie gewalt­lo­se poli­ti­sche Gefangene durch eine vor­über­ge­hen­de Aufnahme. Es bie­tet medi­zi­ni­sche Versorgung, psy­cho­so­zia­le Betreuung, Sprachkurse und Möglichkeiten zum inter­na­tio­na­len Austausch.

Mit Unterstützung der Humanistischen Vereinigung Bayern kam ich im April 2025 nach Deutschland. Während mei­nes Aufenthalts nahm ich an Konferenzen und Veranstaltungen in ver­schie­de­nen euro­päi­schen Ländern teil, um auf die Sicherheits- und Menschenrechtslage im Norden Nigerias und in der Sahelregion auf­merk­sam zu machen. Gleichzeitig bot mir das Programm die Chance, mein Leben in Sicherheit neu zu begin­nen.

Was hat dich an Berlin – im positiven wie im negativen Sinne – am meisten überrascht?

Im Vergleich zu Nürnberg habe ich Berlin als deut­lich inter­na­tio­na­ler, offe­ner und eng­lisch­spra­chi­ger erlebt. Die Stadt ist zwar leb­haf­ter und weni­ger geord­net, ihre Vielfalt und Weltoffenheit haben mich jedoch beein­druckt.

Besonders dank­bar bin ich für die Unterstützung mei­ner Kolleg:innen. Sie haben mir den Einstieg in eine neue Sprache, Kultur und Arbeitswelt erleich­tert und dazu bei­getra­gen, dass ich Schritt für Schritt wie­der Vertrauen, Stabilität und Lebensqualität gewin­nen konn­te.

Was wünschst du dir, dass internationale Studierende als Erstes empfinden, wenn sie an unserer Hochschule ankommen?

Ich wün­sche mir, dass sie unse­re Hochschule als offen, inter­na­tio­nal und ein­la­dend erle­ben. Berlin zieht Menschen aus aller Welt an, und auch unse­re Hochschule bie­tet mit ihren Studienangeboten, Konferenzen, kul­tu­rel­len Aktivitäten und Möglichkeiten zum inter­kul­tu­rel­len Austausch ein inspi­rie­ren­des Umfeld.

Ich hof­fe, dass unse­re inter­na­tio­na­len Studierenden sich will­kom­men füh­len, wert­vol­le Erfahrungen sam­meln und unse­re Hochschule ger­ne wei­ter­emp­feh­len.

Woran würdest du in fünf Jahren erkennen, dass das International Office erfolgreich war?

Für mich bedeu­tet Erfolg, einen nach­hal­ti­gen Beitrag zu leis­ten. Ob als Ingenieur, Journalist, Menschenrechtsaktivist oder Leiter einer Organisation – ich habe stets ver­sucht, Strukturen lang­fris­tig zu stär­ken und posi­ti­ve Veränderungen anzu­sto­ßen.

Im International Office möch­te ich dazu bei­tra­gen, inter­na­tio­na­le Partnerschaften aus­zu­bau­en, die Mobilität von Studierenden und Mitarbeitenden zu för­dern, zusätz­li­che Fördermittel ein­zu­wer­ben und die inter­na­tio­na­le Sichtbarkeit der Hochschule wei­ter zu erhö­hen.

Wenn die Hochschule nach mei­ner Zeit hier inter­na­tio­nal noch bes­ser ver­netzt ist, mehr Kooperationen pflegt und Studierenden sowie Forschenden neue Möglichkeiten eröff­net, wür­de ich das als einen gelun­ge­nen Beitrag mei­ner Arbeit betrach­ten.

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What story from your life do you most enjoy telling new colleagues?

I enjoy sha­ring the broa­der his­to­ri­cal and social con­text that shaped my work rather than focu­sing on my per­so­nal strug­gles. My expe­ri­ence offers an insider’s per­spec­ti­ve on the Sahel, whe­re issues of cul­tu­re, reli­gi­on, edu­ca­ti­on, and moder­niza­ti­on con­ti­nue to shape ever­y­day life. I explain how colo­ni­al bor­ders, his­to­ri­cal con­flicts, and cul­tu­ral tra­di­ti­ons have influen­ced the regi­on and why many of today’s chal­lenges can­not be unders­tood wit­hout this con­text.

I often speak about the ori­g­ins of Boko Haram, the long-term impact of the 1884 Berlin Conference, and the social rea­li­ties of the Sahel. My goal is to help col­le­agues under­stand that las­ting solu­ti­ons requi­re a deeper under­stan­ding of histo­ry, cul­tu­re, and the peo­p­le affec­ted.

Could you tell us a little about your journey and the path that eventually brought you to Germany?

After spen­ding four and a half years in pri­son on con­vic­tions that were under appeal, I was released through the Elisabeth Selbert Initiative, a pro­tec­tion pro­gram coor­di­na­ted by ifa (Institut für Auslandsbeziehungen). The pro­gram pro­vi­des tem­po­ra­ry relo­ca­ti­on for human rights defen­ders and pri­soners of con­sci­ence, offe­ring medi­cal care, psy­cho­so­cial sup­port, lan­guage cour­ses, and pro­fes­sio­nal net­wor­king.

Supported by the Humanist Association of Bavaria, I arri­ved in Germany in April 2025. During my stay, I par­ti­ci­pa­ted in con­fe­ren­ces and mee­tings across Europe to rai­se awa­re­ness of the secu­ri­ty and huma­ni­ta­ri­an cri­sis in nor­t­hern Nigeria and the wider Sahel. This oppor­tu­ni­ty allo­wed me to con­ti­nue my advo­ca­cy while rebuil­ding my life in a safe envi­ron­ment.

What has surprised you most about Berlin — for better or for worse?

Compared with Nuremberg, I found Berlin to be more inter­na­tio­nal, more open, and more English-spea­king. While the city is busi­er and less order­ly, I have app­re­cia­ted its diver­si­ty and wel­co­ming atmo­sphe­re.

Most important­ly, my col­le­agues have been sup­port­i­ve and pati­ent as I adapt to a new lan­guage, cul­tu­re, and pro­fes­sio­nal envi­ron­ment. Their encou­ra­ge­ment has hel­ped me regain con­fi­dence and impro­ve both my phy­si­cal and emo­tio­nal well-being.

When international students arrive on campus in the future, what is the first thing you hope they will feel about the university?

I hope they imme­dia­te­ly expe­ri­ence a wel­co­ming, inclu­si­ve, and inter­na­tio­nal­ly min­ded uni­ver­si­ty. Berlin alre­a­dy attracts stu­dents from around the world, and our uni­ver­si­ty offers an excel­lent lear­ning envi­ron­ment through its aca­de­mic pro­grams, con­fe­ren­ces, cul­tu­ral acti­vi­ties, and oppor­tu­ni­ties for inter­cul­tu­ral exch­an­ge.

I hope every stu­dent lea­ves fee­ling respec­ted, inspi­red, and eager to recom­mend the uni­ver­si­ty to others.

Five years from now, how would you know that the International Office has been a real success?

For me, suc­cess is mea­su­red by las­ting impact. Throughout my career—as an engi­neer, jour­na­list, human rights advo­ca­te, and com­mu­ni­ty leader—I have always tried to lea­ve orga­niza­ti­ons stron­ger than I found them.

At the International Office, I hope to con­tri­bu­te to expan­ding inter­na­tio­nal part­ner­ships, incre­asing staff and stu­dent mobi­li­ty, secu­ring exter­nal fun­ding, and streng­thening the university’s inter­na­tio­nal visi­bi­li­ty. In the lon­ger term, I would like to see more inter­na­tio­nal aca­de­mic pro­grams, broa­der glo­bal coope­ra­ti­on, and grea­ter oppor­tu­ni­ties for stu­dents and rese­ar­chers.

If, after my time here, the uni­ver­si­ty is more inter­na­tio­nal­ly con­nec­ted, more visi­ble, and bet­ter posi­tio­ned to sup­port its glo­bal com­mu­ni­ty, I will con­sider my con­tri­bu­ti­on a suc­cess.