Buchvorstellung — Klaus Heinrich als Religionswissenschaftler. Interventionen und Perspektiven
Was kann Religionswissenschaft zur Aufklärung einer Gesellschaft beitragen? Und was bedeutet es, „Nein“ zu sagen?
Fragen wie diese ziehen sich durch das Werk von Klaus Heinrich (1927–2020), einem der eigenwilligsten Vertreter der deutschsprachigen Religionswissenschaft und Nachkriegsphilosophie.
Freitag, 4. Dezember 2026 · 18:00 ‑19:30 Uhr · kostenfrei · jetzt anmelden
Worum geht es?
1948 gehörte Heinrich zu den studentischen Mitbegründern der Freien Universität Berlin. Von 1971 bis 1995 lehrte er dort als Professor für „Religionswissenschaft auf religionsphilosophischer Grundlage“. Seine Dahlemer Vorlesungen fanden weit über die Grenzen seines Fachs hinaus Beachtung. Viele seiner Bücher wurden aus Mitschriften und Tonaufnahmen seiner Studierenden rekonstruiert.
Religion als Selbstverständigung und Aufklärung
Religion verstand Heinrich als ein Selbstverständigungsunternehmen der menschlichen Gattung, dessen verdrängte Gehalte es aufzuklären gilt. In seinem Versuch über die Schwierigkeit nein zu sagen (1964) wird das Neinsagen zur Grundfigur einer kritischen Anthropologie: zum Widerstand gegen Zerstörung und Selbstzerstörung.
Dabei reicht sein Denken weit über klassische religionswissenschaftliche Fragen hinaus. Heinrich setzte sich mit den Vorbedingungen und dem Nachleben des Nationalsozialismus in Deutschland auseinander, beschäftigte sich mit Architektur, Kunst und Alltagskultur und fragte immer wieder nach den Bedingungen von Selbstaufklärung und Selbstbestimmung.
Ein beinahe vergessener Klassiker neu betrachtet
Der neu erschienene Sammelband Klaus Heinrich als Religionswissenschaftler. Interventionen und Perspektiven, herausgegeben von Moritz Maurer, Kolja Huth und Horst Junginger (Tectum, Baden-Baden 2026, Reihe „Religionswissenschaft und Religionskritik“, Bd. 4), nimmt Heinrichs Werk neu in den Blick.
Neun Beiträge widmen sich seinem Religionsbegriff, seiner Auseinandersetzung mit Freud und Heidegger, seinem Verhältnis zu Aby Warburg sowie seiner Deutung biblischer Überlieferung. Ergänzt wird der Band durch eine tabellarische Biografie und eine ausführliche Bibliografie.
Buchvorstellung und Diskussion
📅 4. Dezember 2026
🕒 18.00 – 19.30 Uhr
📍Humanistische Hochschule Berlin, Grabbeallee 36–40 (Aula), 13156 Berlin
Mitherausgeber Prof. Dr. Horst Junginger von der Universität Leipzig stellt den Band vor. Die Moderation übernimmt Dr. Martin Mettin von der Humanistischen Hochschule Berlin. Im Anschluss ist Raum für Fragen und Diskussion.
Die Veranstaltung richtet sich an Studierende ebenso wie an eine interessierte Öffentlichkeit.