Drei Jahre lang hat Prof. Dr. Matthias Lindner als Studiengangsleiter den Studienbereich Soziale Arbeit an der Humanistischen Hochschule Berlin maßgeblich mit aufgebaut und geprägt. Nun folgt für ihn ein neues berufliches Kapitel: Er hat einen Ruf an die Fachhochschule Potsdam angenommen, wo er im Rahmen einer Stiftungsprofessur zu seinen Schwerpunktthemen Jugendhilfe und Hilfen zur Erziehung lehren, forschen und neue Impulse setzen wird. Im Interview blickt er auf die Anfänge der Hochschule, die besondere Zusammenarbeit mit den Studierenden und seine Wünsche für die Zukunft der Humanistischen Hochschule Berlin zurück.
Was kommt Ihnen als Erstes in den Sinn, wenn Sie an Ihre Zeit an der Humanistischen Hochschule Berlin zurückdenken?
— PROF. DR. MATTHIAS LINDNER: Wenn ich an meine Zeit an der Humanistischen Hochschule Berlin zurückdenke, kommt mir als Erstes der enge Kontakt zu den Studierenden in den Sinn. Ich war sehr nah an deren Alltag und konnte mit ihnen auf Augenhöhe diskutieren. Dieses besondere Merkmal der Hochschule ermöglichte ein intensives Arbeiten, vor allem dann, wenn es über die reine Wissensvermittlung hinausging und Fragen von Haltungen und Perspektiven besprochen wurden.
Welches Projekt, welcher Erfolg oder welche Erfahrung an der Humanistischen Hochschule Berlin bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?
— PROF. DR. MATTHIAS LINDNER: In Erinnerung bleibt mir nicht ein einzelnes Projekt oder ein konkreter Erfolg, sondern ganz grundsätzlich der Aufbau der Sozialen Arbeit an der Humanistischen Hochschule Berlin in seiner ganzen Breite. Sowohl die inhaltliche Ausgestaltung der Studiengänge als auch die organisatorischen Herausforderungen, die mit dem Aufbau verbunden waren, stellten mich immer wieder vor Herausforderungen und generierten diverse Erfahrungen. Drei Jahre, auf die ich gern zurückblicke und an denen ich auch persönlich gewachsen bin.
Was werden Sie am meisten vermissen?
— PROF. DR. MATTHIAS LINDNER: Was ich am meisten vermissen werde, habe ich schon angedeutet: den engen und intensiven Kontakt zu den Studierenden. Für Studierende ansprechbar, nahbar und auf kurzem Weg erreichbar zu sein, war und ist mir sehr wichtig. Meiner Meinung nach lebt Soziale Arbeit vom persönlichen Kontakt und der pädagogischen Beziehung. Das gilt nicht nur für den Kontakt zwischen Sozialarbeitenden und Adressat:innen, sondern auch für Lehrende und Studierende. Lassen sich Studierende und Lehrende darauf ein, kann das Studium eine sehr prägende, verändernde und intensive Zeit sein. Diese pädagogische Beziehung ist aber umso schwerer herzustellen, je größer die Hochschule ist.
Zudem werde ich den sehr wertschätzenden, hilfsbereiten und offenen Umgang innerhalb des Kollegiums der Hochschule vermissen. Eine solche Arbeitsatmosphäre ist innerhalb des akademischen Betriebs keine Selbstverständlichkeit, und dafür möchte ich auch allen Mitarbeitenden danken!
Was erwartet Sie als Nächstes und worauf freuen Sie sich besonders?
— PROF. DR. MATTHIAS LINDNER: Mich erwartet ein neuer beruflicher Abschnitt: Ich habe einen Ruf an die Fachhochschule Potsdam auf die Stiftungsprofessur „Hilfen zur Erziehung in einer transformativen Gesellschaft” angenommen. Darauf freue ich mich besonders, weil ich dort noch intensiver in meinem Hauptthema – Jugendhilfe und Hilfen zur Erziehung – arbeiten und forschen kann. Auch meine Lehrveranstaltungen kann ich noch expliziter auf diese Themengebiete ausrichten. Grundsätzlich freue ich mich aber immer auf Neues und bin neugierig auf das, was da kommt.
Stellen Sie sich vor, Sie kommen in fünf Jahren als Gast an die Hochschule zurück: Was würden Sie sich wünschen, was sich verändert hat, und was sollte unbedingt gleich geblieben sein?
— PROF. DR. MATTHIAS LINDNER: Ich wünsche mir für die Hochschule, dass sie auch in den kommenden fünf Jahren weiterwächst und ihr Potenzial weiter ausbauen kann. Damit zusammenhängend wünsche ich mir natürlich, dass die Humanistische Hochschule Berlin endlich den religiösen Hochschulen gleichgestellt ist und die entsprechende Finanzierung erhält. Studierende könnten so ohne finanzielle Kalkulationen zwischen Hochschulen wählen und sich für ein Studium der Sozialen Arbeit entscheiden, das auf menschliche Selbstbestimmung, Solidarität und Weltlichkeit aufgebaut ist. Soziale Arbeit wird auch in fünf Jahren an der Humanistischen Hochschule Berlin noch als eine Profession gelehrt, die kritisch eigene Gewissheiten und gesellschaftliche Rahmenbedingungen hinterfragt. In der Praxis würde ich Absolvent:innen treffen, die sich trotz kaltem Gegenwind empathisch für Menschen einsetzen, sich schützend vor sie stellen und sich dabei auf die Lehrveranstaltungen der Humanistischen Hochschule Berlin beziehen.