Über 500 Humanist:innen aus 41 Ländern versammelten sich vom 7.–9. August 2026 in Ottawa/Kanada zum World Humanist Congress. Unter dem Motto „Humanism as Resistance“ begegneten sich Aktivist:innen aus Peru, Argentinien, Ghana, Kuwait, Nepal Malaysia, Norwegen, Tschechien, Belgien, Deutschland, Australien, USA, Kanada und vielen anderen Ländern mehr. Angesichts des weltweiten Erstarkens autoritärer Bewegungen, religiöser Nationalismen und der Verbreitung antiaufklärerischer Desinformation wurde zusammengetragen, wie sich humanistische Prinzipien in wirksames Handeln und resiliente Strategien umsetzen lassen: Keine Spur von Resignation, sondern große und leidenschaftliche Bereitschaft zum Widerstand.
Connection and Community Building: Beides wurde vor Ort immer wieder als Kern von Humanismus benannt und fleißig praktiziert. Zwar gibt es selbstverständlich auch international die uns aus Deutschland bekannten politischen Debatten zu harten Themen wie Säkularität und Gleichbehandlung. Doch auf dem diversen globalen Parkett rückt die weiche Seite des Humanismus deutlich stärker in den Vordergrund: Menschen wollen etwas füreinander bedeuten und sie suchen Begegnung und Gemeinschaft. Humanistische Organisationen sind auch dafür da, den in unseren Gesellschaften verbreiteten Erfahrungen eigener Bedeutungslosigkeit, existenzieller Sinnlosigkeit oder ungewollter Einsamkeit etwas entgegenzusetzen.
Engagement und Wissenschaft: Humanistische Aktivist:innen stehen traditionell den Geistes- wie den Naturwissenschaften nahe und wollen ihr praktisches Engagement akademisch unterfüttern und reflektieren. Mit einer Keynote waren auf dem Kongress u.a. vertreten die US-amerikanische Philosophin und Autorin Rebecca Goldstein („Humanism against entropism“), die kanadische Soziologin Sarah Wilkins-Laflamme („Challenging misinformation and narratives of polarization as forms of nonreligious resistance“), die britische Politikwissenschaftlerin und Menschenrechtsexpertin Francesca Klug („Human Rights as Resistance“) oder der britische Philosoph A.C. Grayling („On Hope“).
Humanistik und Humanistische Hochschule Berlin: Während aber die großen Weltreligionen zumeist ihre eigenen Theologien und Wissenschaftsdisziplinen haben, verfügen Humanist:innen bis heute nicht über eine eigenständige akademische Disziplin zur Beforschung der Theorie, Geschichte und Praxis des Humanismus. In den Niederlanden und Belgien gibt seit vielen Jahren vielversprechende Ansätze zur Etablierung einer Humanistik. Die weitere Entwicklung und Internationalisierung steht aus und hier kann die Humanistische Hochschule Berlin mit ihrer Forschungsarbeit in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle spielen.
Ralf Schöppner, Oktober 2026