Warum wir eine eigene Schriftenreihe brauchen

Wir wollen nicht im stillen Kämmerlein bleiben, sondern durch öffentliche Debattenbeiträge Mitverantwortung übernehmen für gesellschaftliche und politische Herausforderungen. Seien es antidemokratische Tendenzen, der Klimawandel, die Digitalisierung oder Orientierungsverluste.  

Das Gespräch führ­ten Prof. Dr. Ralf Schöppner und Rey Krentz

Herr Professor Schöppner, die Humanistische Hochschule Berlin bringt bei De Gruyter eine neue Schriftenreihe her­aus: Perspektiven des zeit­ge­nös­si­schen Humanismus. Warum ist das ein so wich­ti­ger Schritt?

Weil eine Hochschule, die es mit Humanismus ernst meint, nicht nur leh­ren und for­schen soll­te, son­dern auch Impulse in die Gesellschaft hin­ein­tra­gen muss. Wir wol­len nicht im stil­len Kämmerlein blei­ben, son­dern durch öffent­li­che Debattenbeiträge Mitverantwortung über­neh­men für gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Herausforderungen. Seien es anti­de­mo­kra­ti­sche Tendenzen, der Klimawandel, die Digitalisierung oder Orientierungsverluste.  

Der Titel klingt sehr ambi­tio­niert. Was ver­birgt sich kon­kret hin­ter den Perspektiven des zeit­ge­nös­si­schen Humanismus?

Die Reihe ist bewusst breit ange­legt. Wir publi­zie­ren Monografien, also eigen­stän­di­ge Forschungsarbeiten, Sammelbände und Dokumentationen von Tagungen, Lehrbücher, Anthologien oder sogar Übersetzungen. Kurzum: alles, was dazu bei­trägt, die Relevanz von Humanismus für eine moder­ne, glo­ba­li­sier­te Gesellschaft wei­ter­zu­den­ken.

Es klingt fast so, als sei das nicht nur etwas für die Wissenschaft, son­dern auch für eine brei­te­re Öffentlichkeit?

Ja, das ist rich­tig. Zum einen wer­den die Bände so aus­ge­rich­tet sein, dass sie fun­dier­te Wissenschaft mit Themen von all­ge­mei­ner öffent­li­cher Bedeutung ver­bin­den. So zum Beispiel der geplan­te drit­te Band: Demokratie den­ken – von Athen bis heu­te. Zum ande­ren gibt es eine eige­ne Unterreihe, die sich spe­zi­fisch an huma­nis­ti­sche Praktiker:innen in Kultur, Pädagogik, Sozialarbeit oder ethi­scher Beratung wen­det. So auch der jetzt bald erschei­nen­de ers­te Band: Humanistische Lebensbegleitung in Krisenzeiten pro­du­ziert in Kooperation mit der Humanistische Akademie Berlin-Brandenburg. Wir den­ken, Humanismus soll nicht exklu­siv sein, son­dern inklu­siv.

Welche Themen wer­den wei­te­re Bände abde­cken?

Sicherlich Forschungsergebnisse zu unse­ren Studiengängen und Projekten, die direkt an den Berufsfeldern ori­en­tiert sind: Soziale Arbeit, Angewandte Ethik, Humanistische Lebenskunde. Z. B. ein Band zur Didaktik der Lebenskunde, einer zum Philosophieren mit Kindern oder auch ein Lehrbuch mit Basistexten zum Humanismus. Ein klei­ner Spoiler: Ab Wintersemester 2026 star­tet im Master Angewandte Ethik der neue Schwerpunkt Digitale Ethik / Digitaler Humanismus. Auch da wer­den sich Publikationen zur gesell­schaft­li­chen Rolle von digi­ta­len Technologien anschlie­ßen.

Warum ist gera­de jetzt der rich­ti­ge Zeitpunkt für so eine Schriftenreihe?

Vielleicht weil es noch nicht aus­ge­schlos­sen ist, dass Bücher auch gele­sen wer­den. Allerdings geht der Trend bekannt­lich zu KI-gene­rier­ten Zusammenfassungen. Man kann schon jetzt kei­ne PDF mehr öff­nen, ohne dass die Länge bemän­gelt und das ja wirk­lich attrak­ti­ve Angebot einer Zusammenfassung gemacht wird. Aber im Ernst: Unsere Gesellschaft steckt mit­ten in Umbrüchen – tech­no­lo­gisch, poli­tisch, kul­tu­rell. Wir glau­ben, dass Humanismus nicht nur his­to­ri­sche Tradition ist, son­dern Zukunftsaufgabe. Wir wol­len mit­den­ken, mit­re­den und auch wider­spre­chen, wenn es nötig ist.

Wenn Sie sich etwas wün­schen dürf­ten – was sol­len die Leser:innen nach der Lektüre eines Bandes mit­neh­men?

Den nächs­ten. Und Lust auf Mitdenken, Mitmachen und Einmischen. Die Bereitschaft, nicht der­art an der eige­nen Meinung zu kle­ben, dass man ande­re Ansichten nicht mehr ertra­gen kann. Eine Empfindlichkeit für die Notwendigkeit von Ausgleich anstel­le des Behagens an der Besserwisserei. Aber auch Klarheit dar­über, wo und bei wem das Grenzen hat. Wenn uns das gelingt – dann hat die Schriftenreihe einen wich­ti­gen Zweck erfüllt.

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Rey Krentz